Gute Schule Qualitätsmerkmal 3: Unterrichtsqualität

Guter Unterricht war schon immer eines der heikelsten Themen in der Schule. Referendare und LehrerInnen werden hauptsächlich danach beurteilt, was die Schulaufsicht für guten Unterricht hält. Karrieren und Nichtkarrieren scheiden sich hier.

War der Unterricht gut, wenn die Tests gut ausfallen, wenn die Übertrittsquoten hoch sind, wenn es wenig Durchfaller gibt, wenn die Eigenbeteiligung der SchülerInnen stark ist, wenn hauptsächlich Gruppenarbeit, Lerntheken, Mitbestimmung der Klasse im Mittelpunkt stehen?

Oder ist der Unterricht gut, wenn keine SchülerInnen auf ihrem Weg von der Einschulung bis zu ihrem angestrebten Abschluss verloren gehen?

Wie kann er gelingen, der sog. „gute Unterricht“?

  • Im Mittelpunkt steht immer die Auseinandersetzung mit einem Thema, das Bezug zur Lebenssituation der SchülerInnen haben muss (oft contra Lehrpläne). Der Unterricht verlangt unterschiedlich lange Zeiten für die verschiedenen Phasen (Zeit für kognitives Lernen, Zeit für Anwenden, Zeit für Projektarbeit, Zeit für fächerübergreifendes Lernen usw.).
  • Guter Unterricht muss an den verschiedenen Ausgangssituationen der SchülerInnen ansetzen und allen Lernerfolge ermöglichen.
  • Unterrichtsergänzende Maßnahmen sind außerordentlich wichtig: außerschulischer Unterricht (Teilhabe an kulturellen Veranstaltungen), Vorbereitung auf die Berufswelt, Einbeziehung aktueller Ereignisse, Reisen, im Idealfall Begegnungen mit ausländischen Schülern.
  • Die Ergebnisse müssen gesichert werden, auf den jeweiligen Kompetenzstufen. Evaluationen, kollegiale Hospitationen, Fortbildungen fließen ein. Die Schule reflektiert Stärken und Schwächen.
  • Die materiellen Bedingungen, die Ausstattung der Schule, der „Raum als Pädagoge“ fließen ein. Entweder sind die Jahrgangsklassen benachbart oder es gibt ein Lernhauskonzept.

Das Ganze ist wiederum ein Prozess, der über Jahre geht, bis er an der Schule verankert ist. Auch hier ist die Rolle der Schulleitung enorm wichtig: Visionen, mit Fingerspitzengefühl propagiert, mit Erleichterungen verziert.

Advertisements

Gute Schule Qualitätsmerkmal 2: Umgang mit Vielfalt

Seit den Pisa- und anderen Vergleichsstudien sind Heterogenität, Vielfalt, Unterschiedlichkeit, Verschiedenheit und Differenz in der schulischen Diskussion angekommen. Die Leistungen der SchülerInnen lagen zu weit auseinander; soziale Herkunft war zum ersten Mal Thema. Befeuert wurden die Debatten vor allem seit 2006 der Uno-Sonderbeauftragte Vernor Muñoz Villalobos das deutsche Bildungssystem unter- (und auch Schulen in München) besuchte. Sein Bericht benannte verschiedene Formen der Diskriminierung im deutschen Bildungssystem. Kritisiert wurde z. B. die frühe Trennung der Schüler im deutschen dreigliedrigen Schulsystem sowie die Diskriminierung von Schülern mit Behinderungen, niedrigem sozialen Status und mit ausländischen Wurzeln.

Ab der rechtlichen Inkraftsetzung des Inklusionsgebotes durch die Bundesregierung 2008 stand die einzelne Schule allein da und sollte etwas ändern, und zwar kostenneutral und publikumswirksam. Das war zumindest der Auftrag der Schulaufsicht.

Der Leistungsbegriff musste neu überdacht werden, die innere Differenzierung war in vieler Munde. Haltungen und Einstellungen der Lehrkräfte sollte nachgegangen werden. Neues didaktisches Material musste vorbereitet oder zur Verfügung gestellt werden. Lehrkräfte sollten besondere diagnostische und didaktische Kompetenzen vorweisen.

Viele Fragen sind nach wie vor offen (nach Handbuch gute Schule, Seelze 2016, 2. Aufl. 2017):

  • Wie kann es gelingen, ungleiche Bildungschancen zu verringern? Welche diagnostischen Instrumente und Methoden sind dafür geeignet?
  • Welche Formen kognitiven und sozialen Lernens und welche Unterstützungssysteme sind nötig?
  • Wie können Fortschritte bei SchülerInnen sichtbar gemacht werden?
  • Wie kann das Thema Vielfalt innerhalb der Schule als Schulentwicklungsthema implantiert werden?
  • Kann der Ganztag hierbei hilfreich sein?
  • Wie muss sich das Personal verändern?
  • Kann Verschiedenheit als zusätzliche Ressource gesehen werden?
  • Wie können Schulen jahrelang benachteiligten SchülerInnen eine neue Perspektive geben?

Trotz vieler offener Probleme haben sich viele Schulen auf den Weg gemacht, mit und ohne personeller und materieller Unterstützung, wobei die volle, nicht nur verbale Unterstützung der Schulträger und -verwaltungen bereits die halbe Miete wäre.

 

Gute Schule Qualitätsmerkmal 1: Leistung

Der allgemeine Auftrag von Schulen ist die Vermittlung von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie das Erlernen des selbstständigen Denkens und Handelns (Herz und Charakter sollen in Bayern auch gebildet werden): In der Schule wird gelernt! Das ist ihre originäre Aufgabe.

Das heißt, in der Schule muss gearbeitet, gelernt und gleistet werden und das Gelernte (objektiv) überprüfbar sein, d.h. Leistung muss beurteilt werden können.

Hier liegt schon der Hase im Pfeffer, denn eine Schule, die schlechtere Ausgangsbedingungen hat als eine andere und die dann „weniger“ überprüfbare Leistung erbringt als die andere, kann doch relativ gesehen wesentlich mehr leisten haben als die mit den besseren Ergebnissen. Dasselbe gilt natürlich auch für den einzelnen Schüler, der sich mit anderen misst.

In die Bewertung von Leistung muss also immer die jeweilige Ausgangssituation einbezogen werden.

Lernen und Leisten kann auf äußerst vielfältige Weise passieren. Persönlichkeiten sollen entwickelt, Wertorientierungen gebildet werden. Schulleistung kann also nicht nur auf Noten reduziert werden.

Das Gelernte kann mit unterschiedlichen Methoden unter Beweis gestellt werden: Tests sind heute (noch) die üblichste Weise. Es gibt aber auch den Vortrag, den Schülerversuch, die Projektarbeit, die Präsentation, das Portfolio.

Leistungsbereitschaft muss entwickelt werden. Auch hier kommt der Schule eine entscheidende Rolle zu. Von den individuellen Zielen eines Schülers, Leistung zu erbringen, muss der Bogen geschlagen werden zur Gemeinschaft, die lernen und die Gelerntes zeigen will. Dabei dürfen Fächer wie Sport und Kunst oder soziale Projekte auf keinen Fall vernachlässigt werden.

Eine Schule kann nur dann besondere Schülerleistungen vorweisen, wenn die Lehrkräfte für ihr Fach „brennen“, gute Laune haben und selbst herausragende Leistungen bieten. Wie die wiederum gemessen werden, das ist eine andere Sache. Jedenfalls nicht mit dem üblichen Punkte-Bewertungsraster.

 

Oxford und Cambridge beschuldigt wegen „sozialer Apartheid“

Lammy with Tottenham Labour Party members and others before joining the TUC Anti-Cuts March in March 2011

Der ehemalige britische Erziehungsminister David Lammy sagte laut Guardian Weekly vom 27.10.17, dass etwa ein Drittel der Oxforder Colleges keine schwarze A-Level-StudentInnen aufgenommen haben, und wenn, dann nur in geringer Zahl. 10 von 32 Colleges stellten 2015 keine Studienplätze für qualifizierte StudentInnen bereit. Lammy, heute Labour MP, selbst mit Migrationshintergrund, verlangte 2016 von Oxford und Cambridge Auskunft zu diesem Problem. Während Cambridge die entsprechenden Zahlen sofort bekannt gab, reagierte Oxford erst, als klar war, dass der Guardian zum Thema recherchierte. Bei den anderen ethnischen Minderheiten in GB ist das Problem das selbe.

Hauptschulblues liest (und wird darüber berichten):

In diesem Buch werden die sechs Qualitätsbereiche des Deutschen Schulpreises dargestellt: Leistung, Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulklima, Schulleben und außerschulische Partner. Es ist interessant für Schulleitungen, Lehrkräfte, die in Steuer- oder Schulentwicklungsgruppen arbeiten oder sich dafür interessieren und für Menschen in der Schulverwaltung. Es sollte in keiner Schulblibliothek fehlen.